Reichsburg Cochem
von Holger Weinandt [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
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Die Reichsburg Cochem ist eine Burganlage in der rheinland-pfälzischen Stadt Cochem an der Mosel. Sie ist ihr Wahrzeichen und steht auf einem weithin sichtbaren Bergkegel mehr als 100 Meter oberhalb der Stadt. Als Gipfelburg gehört sie zum Typus der Höhenburgen.

Die Anlage, die im Mittelalter als Zollburg diente, wurde den Ergebnissen aktueller Burgenforschungen zufolge wohl um 1100[1] oder in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet.[2] Nachdem sie im 17. Jahrhundert zerstört worden war, ließ sie der Berliner Kaufmann und spätere Geheime Kommerzienrat Louis Fréderic Jacques Ravené gemäß dem Geschmack der Burgenromantik in den Jahren von 1868 bis 1877 wiederaufbauen.[3] Burg Cochem ist damit ein gutes Beispiel für ein Bauwerk, das im Stil der Neugotik während der Zeit des Historismus gestaltet wurde.

Der Name Cochem wird als Cuchema erstmals in einer Schenkungsurkunde der Prümer Abtei vom 20. Dezember 866 erwähnt.[4]. Der Ort war Reichsgut, mit dem die Ezzonen belehnt waren. Die ältere Forschung nahm an, dass die Burg bereits 996 bzw. um 1020 von Pfalzgraf Ezzo (häufig auch Ehrenfried genannt), Sohn und Nachfolger Hermann Pusillus von Lothringen, gegründet worden sei, doch können dafür keinerlei Belege angeführt werden. Die ebenfalls häufig zu findende Angabe der Ersterwähnung einer Cochemer Burg im Jahr 1051 geht auf eine Schenkungsurkunde zurück, die jedoch eine Fälschung aus der Zeit um 1263 ist.[5] Dieser zufolge schenkt die ehemalige polnische Königin Richeza ein castrum cuum Chuchomo ihrem Neffen, Pfalzgraf Heinrich I., mit der Auflage, als Vogt der Abtei Brauweiler die Güter des ezzonischen Hausklosters zu beschützen. Mit dem Tod Hermanns II. von Lothringen starben die Ezzonen im Mannesstamm aus und die Pfalzgrafschaft kam 1085/87 an Heinrich II. von Laach.

Eine Burganlage in Cochem wird jedoch erst in einer von Pfalzgraf Wilhelm von Ballenstedt ausgestellten Urkunde vom 17. März 1130 sicher genannt. Bereits zu dieser Zeit wurde ein Schiffszoll „vor der Burg unseres Erbes, die Cochem genannt wird“ erhoben. Außerdem wird in der um 1105 verfassten Lebensbeschreibung des 1075 verstorbenen Kölner Erzbischofs Anno II. berichtet, der wahnsinnige Pfalzgraf Heinrich II. habe seine Ehefrau auf Burg Cochem ermordet. Diese Erwähnung einer Burg und die Formulierung „unseres Erbes“ in der Urkunde aus dem Jahr 1130 zeigen, dass von einer Existenz der Anlage in der Zeit um 1100 auszugehen ist.

Die Gestalt der frühesten romanischen Burg Cochem ist noch weitgehend unbekannt. Der achteckige Turm wurde nach Überlegungen von Ernst Wackenroder aus dem Jahr 1959 meist als romanischer Viereckturm aus der Zeit vor 1051 angesehen, der später achteckig ummantelt worden sein soll. Neuere Untersuchungen durch Alexander Thon und Stefan Ulrich konnten mit Verweis auf Achtecktürme aus dem späten 11. und frühen 12. Jahrhundert beispielsweise auf der Neuenburg bei Freyburg an der Unstrut (Sachsen-Anhalt) oder der Burg Sulzbach (Bayern) und die tatsächliche Ersterwähnung 1130 wahrscheinlich machen, dass der Cochemer Achteckturm ebenfalls aus der Zeit um 1100 stammt.[1] Zur romanischen Burg gehörten neben dem Turm noch ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude, die beide von einer fast kreisrunden Ringmauer eingefasst waren.

Nach dem Tod des kinderlosen Pfalzgrafen Wilhelm von Ballenstedt entwickelte sich ein Streit um seine Nachfolge zwischen Hermann von Stahleck und Otto dem Jüngeren von Rheineck, in dessen Verlauf Hermann die Burg 1150 eroberte. König Konrad III. machte den Streitigkeiten ein Ende, indem er die Burg 1151 belagerte und eroberte. Damit sicherte Konrad seine königliche Autorität. Anschließend wurde die Burg Verwaltungssitz für das umliegende Reichsgut. Von diesem Zeitpunkt an gehörte Cochem zu den Reichsburgen.

In der Folgezeit wurde die Burg zunächst von Burgmannen und später von als Burggrafen bezeichneten königlichen Ministerialen verwaltet. Im Jahr 1282 zog König Rudolf von Habsburg vor die Burg und konnte sie nach wohl kurzer Belagerung erobern.[5] Der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg hatte sich zuvor der Anlage bemächtigt und Kuno von Schönburg als Burggrafen eingesetzt.

Burg Cochem blieb aber nicht lange in königlichem Besitz, denn im Jahr 1294 verpfändete König Adolf von Nassau Burg und Stadt Cochem mitsamt einem umliegenden Gebiet, das 50 Orte einschloss, an den Trierer Erzbischof Bohemond I. von Warnesberg, um seine Königskrönung finanzieren zu können.

Adolfs Nachfolger Albrecht I. konnte die Pfandschaft nicht einlösen und ernannte deshalb den Trierer Erzbischof zum Burggrafen von Cochem. Dieses mit dem lukrativen Moselzoll und der Gerichtsbarkeit verbundene Amt wurde von König 1298 zudem als erblich bestätigt. Cochem verblieb bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 als wichtige Landesburg und Verwaltungsmittelpunkt bei Kurtrier. 1328 musste der Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg die Burg an die Gräfin Loretta von Sponheim verpfänden, konnte sie jedoch bereits ein Jahr später wieder einlösen.

Unter Karl IV. ging die Burg endgültig in das Eigentum des Trierer Erzstiftes über, blieb aber ein Offenhaus des Kaisers. Aufgrund ihrer Zoll-, Wirtschafts- und Verwaltungsrechte waren die von Kurtrier eingesetzten Burggrafen mächtige Adlige im Heiligen Römischen Reich. Unter ihnen finden sich zum Beispiel die Herren von Winneburg und von Beilstein. Ab 1419 wurden die Burggrafen jedoch durch trierische Amtmänner ersetzt.

In der älteren burgenkundlichen Literatur wird häufig angegeben, dass die bis dahin eher bescheidene Anlage unter dem Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg wegen ihrer günstigen strategischen Lage im Stil der Spätgotik ausgebaut wurde, doch finden sich für diese Bautätigkeit keine schriftlichen Nachweise. Aufgrund kunsthistorischer Vergleiche mit Burgen des 14. Jahrhunderts im Rheinland und angrenzenden Regionen kann jedoch davon ausgegangen werden, dass zumindest die Aufstockung des Achteckturmes und der Bau der vier abschließenden Ecktourellen in die Ära des als „bauwütig“ bekannten Bischofs fällt.[6].

Aufgrund eines Kupferstichs in der Bilderhandschrift Civitates Orbis Terrarum von Georg Braun und Frans Hogenberg aus dem Jahr 1576 mit der Darstellung der Cochemer Burg ist sicher, das die Anlage im 14. bis 16. Jahrhundert unter den Trierer Kurfürsten stark erweitert und umgebaut wurde. Bei Aufräumarbeiten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Reste der mittelalterlichen Burg freigelegt. Demnach war ihr Zugang durch drei Toranlagen gesichert. Einem ersten Tor an der Nordseite schloss sich ein mächtiger mit Zinnen besetzter Torbau an. Dahinter folgte auf der östlichen Seite der Anlage eine Brücke über den Burggraben, die zu einem weiteren Torhaus führte. Durch dieses gelangte man in den äußeren Bering mit drei Burgmannenhäusern, einem kleinen Wehrbau an der Südspitze, diversen Wirtschaftsgebäuden wie dem Kelterhaus, dem Pferdestall und dem Kornspeicher, dem Burgbrunnen sowie dem sogenannte Mauerturm mit Wendeltreppe und einer drei Meter breiten Ausfallpforte. Den inneren Bering bildete die alte Ringmauer aus romanischer Zeit. Sie schützte den achteckigen Turm, den Palas und einen Hexenturm genannten Rundturm, der im Westen den Zugang zur Kernburg überwachte.

Im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges wurde die Burg 1673 von Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. unter Philippe-Auguste Le Hardi, Marquis de la Trousse, beschossen und am 8. November 1688 von französischen Soldaten schließlich besetzt. Nachdem im März des darauffolgenden Jahres ganz Cochem von Franzosen okkupiert worden war, erteilte der Befehlshaber der französischen Truppen den Befehl, die Burganlage zu zerstören.

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Burg am 19. Mai 1689 auf Befehl eines Leutnants (französisch: lieutenant du roi) de Saxis in Brand gesteckt, unterminiert und gesprengt. Sie teilte damit das Schicksal vieler Burgen der Pfalz.

Mit dem Frieden von Rijswijk gab Ludwig XIV. 1697 zwar die Pfalz zurück, doch etwa ein Jahrhundert später besetzten französische Revolutionstruppen 1794 während des ersten Koalitionskriegs Cochem und seine Burgruine, die 1801 als Ergebnis des Friedens von Lunéville Frankreich angegliedert wurden.

Nach dem Wiener Kongress kam Preußen in den Besitz der Cochemer Burgruine.

Der Berliner Kaufmann und spätere Geheime Kommerzienrat Louis Fréderic Jacques Ravené (1823–1879) kaufte die Ruine vom preußischen Domänenfiskus, um sie als Sommersitz für seine Familie im neugotischen Stil wiederaufzubauen. Die Gebäudereste wechselten am 26. September 1868 für 300 Goldmark „mit einem Terrain von 4 Morgen, 75 Ruthen und 20 Fuß“[7] den Besitzer. Von der Burg war nur noch „ein unten fünfeckig, oben quadratisch geformter Hauptturm und ein daneben stehender, runder mit mittelalterlichen Freskomalereien verzierter Treppenturm“ übrig.[8] Die Pläne für den Wiederaufbau – angelehnt an den Stich von Braun und Hogenberg – stammten von dem Berliner Architekten und Geheimrat Hermann Ende, dessen Aufgaben später an den Architekten und königlichen Baurat Julius Carl Raschdorff übertragen wurden.

Die dazu nötigen umfangreichen Aufräum- und Sicherungsarbeiten begannen noch 1868 mit einer Entschuttung unter Leitung des Baurats Schmidt aus Cochem. Ihr folgten 1869 die Wiederherstellung der Ringmauer, die im gleichen Zuge mit Zinnen versehen wurde. 1870 wurden schließlich die verschütteten Fundamente der mittelalterlichen Bauten freigelegt. Beim Wiederaufbau der Burg, der im Wesentlichen von 1874 bis 1877 stattfand, wurde ihr Äußeres meist frei erfunden. So wurde unter anderem der Achteckturm um ein zusätzliches Geschoss mit vier Tourellen aufgestockt, der Hexenturm – mitsamt seiner mittelalterlichen Fresken restauriert – im Obergeschoss zu einem Badezimmer umgebaut sowie mit einem Kegeldach ausgestattet und das Burgmannenhaus am dritten Tor im Nordosten als Kutscher- und Verwalterhaus eingerichtet. Sichtbares Zeugnis dieser Kampagne ist der Schlussstein des Nordost-Tores, der mit einem R für Ravené und der Jahreszahl 1868 versehen ist.

Nach dem Tod Louis Jacques Ravenés im Jahr 1879, in dem auch die neu gebaute Burgkapelle geweiht wurde, führte sein Sohn Louis Auguste Ravené die Arbeiten zunächst fort. Der Innenausbau unter Leitung des Baurats Otto Walter dauerte noch bis 1890. Louis Auguste stattete Burg Cochem mit einer umfangreichen Kunstsammlung aus, die jedoch im Zweiten Weltkrieg mehrheitlich zerstört wurde.

1942 musste Louis Auguste Ravené die Burg an das preußische Justizministerium verkaufen. Der Reichsminister der Justiz Otto Georg Thierack ließ 1943 hier eine spezielle NS-Schulungsstätte für Juristen einrichten,[9] in der er auch selbst Universitätsprofessoren referierte[10]. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde auch das im Jahre 1870 von einem italienischen Meister geschaffenen Mosaikbildnis des Hl. Christophorus zerstört.[11]

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Burg an das 1947 an das Land Rheinland-Pfalz, das dort eine Verwaltungsschule einrichtete. Im Jahr 1978 kaufte die Stadt Cochem die Anlage für 664.000 DM[12] und lässt sie heute von der Reichsburg GmbH verwalten.


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Kommentare zu diesem Ort



COLT
schrieb am 19.12.2010 um 20:04 Uhr
Eine wirklich sehenswerte Burg. Auch die Innenstadt zum Fuße der Burg läd selbst am Wochenende immer zum verweilen ein. Man kann gut essen und es gibt reichlich auswahl an gutem Moselwein. Auf der Burg selber kann ich die Vorführung des Falkners sehr empfehlen. Ich selber habe mir diese schon öfters angesehen und bin immer wieder begeistert. Vor allem kommt man da mit den Tieren sogar auf Tuchfühlung. Für Kinder mehr als nur ein Erlebnis!

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