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Schloss Schaumburg
von Johannes Robalotoff (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons
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Schloss Schaumburg ist ein Schloss südlich von Balduinstein nahe Limburg an der Lahn. Ursprünglich handelte es sich um eine Höhenburg.

Möglicherweise wurde der Berg um 915 erstmals mit einer Burg bebaut. Ursprünglich hieß sie „Schauenburg“ oder „Schowenburg“. Die Schaumburg wurde im Jahr 1197 erstmals genannt, sie war das Zentrum einer gleichnamigen Herrschaft. Die Burg war im 12. Jahrhundert im Besitz der Grafen von Leiningen.

Mit dem Aussterben der Grafen im Mannesstamm um 1220 kam es zu einer Teilung und mehrfachem Besitzwechsel des Burglehens. Ein Teil der Burg befand sich im Besitz von Elise, der Tochter des Grafen Einicho von Leiningen und Gattin von Ruprecht dem Streitbaren von Nassau. Mit ihrem Tod ging dieser Anteil über ihre Tochter auf die Grafschaft Virneburg über. Ein weiterer Anteil an der Burg fiel an die Grafschaft Diez und von dieser an die Grafschaft Weilnau. Ein dritter Teil der Schaumburg fiel an das Haus Isenburg. Bei dessen Erbteilung 1232 gelangte der Anteil Schaumburg in den Besitz Gerlachs I. von Limburg. Das Haus Limburg musste jedoch bereits 1266 in einem Schiedsspruch zugunsten Kurkölns auf den Teil der Burg verzichten. Der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg übertrug den Kurkölner Anteil 1276 an das Haus Westerburg.

Das Haus Westerburg baute ab 1279 die Schaumburg aus. Um die Stellung der Burg zu schwächen, erbaute Balduin von Luxemburg die Burg Balduinstein in der Nähe der Schaumburg. Es kam zu einem längeren Streit, in dessen Folge der Ort Balduinstein 1321 aus der Herrschaft Schaumburg getrennt und zur Stadt erhoben wurde.

Bis zum 15. Jahrhundert konnte das Haus Westerburg alle anderen Anteile der Burg erwerben. Ab 1557 residierte das Haus Leiningen-Westerburg-Schaumburg, eine Seitenlinie des Hauses Westerburg, auf der Schaumburg. 1656 verkaufte Georg Wilhelm von Leiningen Burg und Herrschaft an Agnes von Effern, die Witwe des Grafen Peter Melander von Holzappel, welche die Herrschaft Schaumburg mit der Grafschaft Holzappel vereinigte. Agnes starb noch im selben Jahr; die Schaumburg verblieb im Besitz ihrer weiblichen Nachkommen: Haus Nassau-Dillenburg (1656–1707), Anhalt-Bernburg-Schaumburg (1707–1812), Habsburg-Lothringen (1812–1867).

Von 1847 bis 1867 besaß Erzherzog Stefan von Österreich die Schaumburg. Er musste 1848 im Zuge der Revolution seine Heimat Ungarn verlassen und baute die Schaumburg von 1850 bis 1855 in neugotischer Form aufwendig zu dem Schloss in der noch heute bestehenden Form um. Mit dem Bau war der Architekt Carl Boos beauftragt. Stefan von Österreich richtete eine Gemäldegalerie ein, eine Bibliothek, er sammelte Münzen, hinterließ eine beachtliche Mineraliensammlung. Er ließ in Berlin die beiden überlebensgroßen Herolde anfertigen, die den Haupteingang zum Schloss zieren, und unterhielt einen kleinen Tierpark. Nur der Prachtsaal, der in ganzer Gebäudebreite zwischen den beiden Türmen gelegen ist und durch das große, nach Westen gerichtete Fenster begrenzt wird, wurde nie fertig. Weder Erzherzog Stefan noch spätere Besitzer bauten den geplanten Prachtsaal aus und so befindet er sich noch heute unverputzt im Rohbauzustand, ohne Fußboden, ohne Decke und ohne Wandverputz, genau so, wie ihn die Baumeister 1855 unvollendet hinterließen. Mit dem Bau der Lahntalbahn 1862 wurde die Schaumburg leicht erreichbar und zu einem Treffpunkt von Adligen aus ganz Europa.

Der kinderlose Erzherzog Stefan vererbte das Schloss an den jüngsten Sohn seines Cousins Peter, seinen Großcousin Herzog Georg Ludwig von Oldenburg. Das Haus Oldenburg besaß das Schloss von 1867 bis 1888. Gleichzeitig erhob das Haus Waldeck-Pyrmont Anspruch auf die Burg. Nach einem über zwanzig Jahre dauernden Gerichtsprozess wurde 1888 Georg Viktor zu Waldeck-Pyrmont der Besitz des Schlosses zugesprochen.

An den letzten adeligen Besitzer kam die Burg 1967 mit dem Tod von Josias zu Waldeck und Pyrmont. Sein Sohn und Erbe Wittekind zu Waldeck und Pyrmont verkaufte im Jahr 1983 das Schloss Schaumburg, kurz „die Schaumburg“ genannt, mitsamt dem Inventar für 15 Millionen DM. Die Schaumburg sollte zu einem Hotel mit angeschlossenem Golfplatz umgebaut werden. Diese Planung zerschlug sich und der Verfall der Substanz schreitet weiterhin fort. Darüber kann auch nicht die in gutem Zustand befindliche Schlosskapelle hinwegtäuschen. Ob das darin von der Decke herabhängende Jerusalemkreuz der älteste Gegenstand der Schaumburg ist und sich seit ihrer Grundsteinlegung dort befindet, ist fraglich. Auf jeden Fall ist das Kreuz in dem schlichten Raum aber ein wirkliches Kleinod. Einige Räume sind teilweise noch möbliert. An den Wänden hängen wie einst die Gemälde der Hoheiten, sie sind allerdings in sehr schlechtem Zustand.

Nach einem erneuten Verkauf 1990 für damals 6 Millionen Deutsche Mark, steht das Schloss gegenwärtig (2011) für 1,3 Millionen Euro zum Verkauf, um den weiteren Verfall des Schlosses aufzuhalten und wenigstens eine Grundsicherung zu erzielen.[1]

Das durch die Jahrhunderte sorgfältig geführte komplette Schaumburg-Archiv wurde vom Land Rheinland-Pfalz erworben und befindet sich seitdem im Landeshauptarchiv Koblenz.

 

Das Schloss ist eine Dreiflügelanlage auf einem Berggipfel. Sein heutiges Aussehen hat es beim Ausbau 1850–1855 erhalten; es ist nach dem Ideal der Rheinromantik konzipiert. Das Schloss wird von einem länglichen dreigeschossigen Palas mit oktogonalen Ecktürmen aus Basalt beherrscht. In der Südostecke des Palas befindet sich ein 42 Meter hoher Turm, der einen Bergfried darstellen soll. Als Zugang zum Schloss wurde eine Toranlage im Norden angelegt.

Von der mittelalterlichen Burganlage ist nur noch wenig vorhanden. Es existieren noch Reste der Toranlage im Süden der Burg, der Zwinger und Reste der Vorburg mit einem Flankierungsturm. Der Ostflügel ist ein spätmittelalterliches Bauwerk, er wurde jedoch bei den Bauarbeiten unter Erzherzog Stefan von Österreich stark umgebaut.

 

Der Hauptturm des Schlosses Schaumburg ist der Nullpunkt des Soldner-Koordinatensystem für das Herzogtum Nassau.


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