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Nippenburg
von Harke (Eigenes Werk) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons
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Die Nippenburg ist eine Burgruine und ein Gehöft südwestlich von Schwieberdingen. Sie wurde 1160 erstmals urkundlich erwähnt und gilt als die älteste in der Region Stuttgart. Im 17. Jahrhundert wurde die strategisch günstig auf einem Bergsporn oberhalb des Glemstals liegende Burg verlassen und in unmittelbarer Nähe das Herrenhaus Schloss Nippenburg erbaut. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Burganlage als Steinbruch benutzt und dem Verfall preisgegeben. Die Reste der Burgruine mit hohen Schildmauer- und Vorburgteilen sowie einer massiven Scheuer aus dem Jahr 1483 wurden Anfang der 1980er Jahre konsolidiert.

Die Nippenburg wurde zu militärischen Zwecken vermutlich im 11. Jahrhundert[2] durch ein örtliches Adelsgeschlecht erbaut. Sie gilt als die älteste Burgruine im Raum Stuttgart. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg im Codex Hirsaugiensis, der für 1160 eine von einem Berwart „unterhalb der Nippenburg“ erbaute Mühle bezeugt.[3]

Die ursprüngliche Burganlage wurde im Laufe der Zeit mehrere Male erweitert. So stammt der der Ringmauer vorgelagerte Zwinger aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die Vorburg mit der heute noch erhaltenen massiven Scheuer wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts errichtet.

Aufgrund der neu entwickelten Explosionsgeschosse und dem damit einhergehenden Ersatz von Katapulten durch Mörser und Kanonen konnten die Burganlagen den Bewohnern keinen ausreichenden Schutz mehr bieten. Da man auf den Burgen zudem nur kalt, nass und ungemütlich wohnte, wurden diese mehr und mehr verlassen. Um 1600 wurde daher mit dem Bau des Herrenhauses Schloss Nippenburg oberhalb der Burganlage begonnen, welches im 18. und 19. Jahrhundert erweitert und verändert wurde.

Als Wilhelm, der letzte Ritter zu Nippenburg, das Herrenhaus errichtete, ließ er Steine aus der Burg herausbrechen und verwendete sie als Baumaterial für seinen neuen Herrensitz. Nachdem die Burganlage selbst bis etwa 1700 bewohnt war, wurde sie in den folgenden Jahrhunderten dem Verfall preisgegeben. Zu welchem Zeitpunkt die Burg als Wohn- und Schutzstätte völlig aufgegeben wurde, kann nicht genau festgelegt werden. So deutet eine bei Restaurierungsarbeiten gefundene Ofenplatte aus dem Jahr 1770 darauf hin, dass die Burg auch noch zu einem späteren Zeitpunkt teilweise bewohnt war. Aus einem Schriftwechsel der Vögte aus Markgröningen und Leonberg, die sich in den Jahren 1647 und 1648 um gut erhaltene Bretter und Balken der Nippenburg stritten, geht allerdings hervor, dass Teile der Gebäude innerhalb der Burg bereits zu dieser Zeit aufgegeben waren und man sich an den übrig gebliebenen Resten der Burg bediente, bis sie schließlich nur noch eine Ruine war. Im Laufe der Zeit überzogen Efeu und Sträucher die Mauerreste. Lediglich die Vorrats- und Lagerräume der Burg wurden noch lange Zeit von den Bewohnern des Herrenhauses genutzt.

In den 1960er und 1970er Jahren reifte der Plan, das in desolaten Zustand geratene Gemäuer zu sanieren. Um die Burgruine zu erhalten, wurden von 1979 bis 1984 umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen an dem einsturzgefährdeten Gemäuer durchgeführt. Die Kosten hierfür trugen das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, die Gemeinde Schwieberdingen, der heutige Besitzer Graf Leutrum sowie der Landkreis Ludwigsburg. Heute ist die Burgruine Nippenburg ein beliebtes Ausflugsziel.[4]

Die Burgruine liegt südwestlich von Schwieberdingen auf einer Anhöhe am Rande des heutigen Schlossgutes Nippenburg. Die auf einem von der Glems umflossenen Bergsporn liegende Höhenburg war an drei Seiten durch Sümpfe und den steil abfallenden Hang geschützt. Dieser war unmittelbar um die Burg einst kahl, denn den Angreifern sollte kein Baum oder Strauch Schutz und Deckung bieten. Gefahr drohte der Burg fast nur von der Ostseite, wo sich der Bergsporn in das offene Gelände fortsetzt. Zum Schutz dagegen errichteten die Burgherren die zum Teil noch heute sichtbare mächtige Schildmauer. Der sechzehn Meter hohen und drei Meter dicken Mauer war zur Abwehr von Feinden zusätzlich ein südöstlich der Burganlage verlaufender Halsgraben vorgelagert. Über diesen breiten und einst rund sechs bis acht Meter tiefen Burggraben führte eine steinerne Rundbogenbrücke, die drei Meter vor dem Burgtor endete. Die zwischen Brücke und Burgtor befindliche Zugbrücke – vermutlich im 15. Jahrhundert durch einen weiteren Steinbrückenbogen ersetzt – konnte bei Gefahr hochgezogen werden. Aufgrund dieses Wehrsystems gewährte die Nippenburg ihren Bewohnern über viele Jahrhunderte Sicherheit und Zuflucht. So ist es nicht überliefert, dass die Nippenburg jemals eingenommen, zerstört oder niedergebrannt wurde.

Die Anlage hat zwei Vorburgen. Die erste, südliche Vorburg mit großer Burgscheune und dem weiten ehemaligen Hofbereich, weist im Westen und Osten die Reste von zwei Burgtoren auf. Die Reste des östlichen Torturms links und rechts des Weges weisen heute noch darauf hin, dass sich zu dieser Seite hin eine gut befestigte Wehranlage mit einem überdachten Wehrgang, der bis hin zur Burgscheuer ging, befand. Hier hielt sich auch die Burgwache auf.

Neben der großen freien Wiese befindet sich in der südlichen Vorburg ein zum größten Teil in der ursprünglichen Form erhaltenes Wirtschaftsgebäude, die 1483 erbaute gotische Burgscheuer. Unter ihr befindet sich ein außergewöhnlich großer Gewölbekeller, welcher für die Vorratshaltung besonders bei längeren Belagerungszeiten lebensnotwendig war. Unter dem Scheunendach befinden sich drei übereinander gebaute Kornböden. Der südliche Vorhof der Burg ist vermutlich mit dem bei der Anlage des Halsgrabens angefallenen Aushub aufgefüllt worden. So entstand eine hohe Stützmauer, die im Süden durch zwei vorgelagerte Mauern zwingerartig umschlossen ist.

Das westliche Burgtor führt zum Glemstal hinab. Auch hier lassen sich die ehemaligen Kettenscharten der Zugbrücke erkennen. Dem Weg durch das zweite Burgtor in Richtung Tal folgend, befindet sich rechter Hand ein Mauerzug, der zu einem ehemaligen Wirtschaftshof gehört. An den Innenmauern des Wirtschaftshofes waren unter einem Pultdach die Stallungen und die Schmiede auf der einen Seite und das Gesindehaus mit Wagnerei und Sattlerei auf der anderen Seite untergebracht. Ein Stück weiter stößt man auf die erkennbaren Reste eines früheren Wall- und Grabensystems, das nach Westen hin als ein erster Verteidigungsbereich der Burg diente. Auf einem steil abfallenden Fuß- oder Reitweg gelangt man hier an die rund 50 Meter niedriger liegende Glems.

In der westlichen Vorburg, die gegenüber der großen Burgscheune liegt, findet man nur noch die Reste einer Zisterne und eines einst hohen Bergfrieds mit dem darunter liegenden fünf Meter tiefen Verlieskeller, den man jedoch nicht einsehen kann.

Durch die Öffnung des heute nicht mehr vorhandenen inneren Burgtors gelangt man von hier aus in den Burghof der Hauptburg. Hier erhebt sich im östlichen Teil die Rückseite der mächtigen Schildmauer, an die sich zu beiden Seiten eine Ringmauer anschließt, die in früheren Zeiten den ganzen Burghof umgab. Die Mauer ist heute zumeist noch hüfthoch erhalten, gut gesichert und nur nach Norden hin unterbrochen. Es wird vermutet, dass dort am steilen Hang Mauerteile durch Erosion abgegangen sind. An der Innenseite der alten Ringmauer ist eine Informationstafel mit Grundriss und Geschichte der Nippenburg angebracht.

Eine Pforte in der im südlichen Teil hoch aufragenden Ringmauer gibt den Weg zum südöstlichen Zwinger frei. Dieser stellte durch die Vielzahl von Schießscharten einen weiteren wichtigen Verteidigungsbereich dar. In der südöstlichen Ecke des Zwingers stand das 1945 mutwillig zerstörte und im Volksmund Käppele genannte Wachtürmchen. Der heute noch vollständig erhaltene Ausguck zeugt davon, dass von hier aus der Torwächter die Zugbrücke bediente.

Im Burghof selbst befand sich zwischen Bergfried und dem noch erhaltenen Burgkeller die geräumige Küche. Das Deckengewölbe des Burgkellers bildete einst das Fundament für den nur noch bruchstückhaft vorhandenen Palas, welcher, abgesehen von einigen Fenstern und restaurierten Mauern, nur noch wenige Details aufweist. Im Schutze der Schildmauer stand das Kemenate genannte Frauengemach, an das sich eine kleine Kapelle anschloss.

 


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Nippenburg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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