Mittelalter FAQ > Otto I. (der Große)Zurück zur Übersicht

  • * 912 in Wallhausen; † 973 in Memleben
  • Sohn des Sachsenherzogs Heinrich I. (der Vogler), der seit 919 deutscher König war
  • Großes Vorbild: Karl der Große
  • 929 Heirat mit Edgitha aus dem Angelsächsischen
  • 930 Geburt von Liudolf
  • 08. Aug. 936 Krönung zum deutschen König in Aachen
  • 29. Jan. 946 Tod Edgithas
  • 951 1. Italienfeldzug Ottos; Heirat mit Adelheid von Burgund; Annahme der ital. Königswürde
  • 952 Geburt von Otto II.

 

Otto wurde früh von seinem Vater als einziger Erbe und nächster deutscher König eingesetzt. Dies geschah gegen alle bis dahin geltenden Regeln; normalerweise wurde das Erbe immer unter allen Söhnen aufgeteilt, Heinrich I. wollte jedoch ein Auseinanderbrechen seines Reiches verhindern und schwor seine Grafen deshalb schon lange vor seinem Tod auf Otto ein.[1]

Die Einsetzung Ottos als einziger Erbe sorgte für böses Blut innerhalb der Familie. So intrigierten sowohl Ottos eigene Mutter Mathilde, die lieber ihren jüngeren Sohn Heinrich auf dem Thron gesehen hätte, als auch Ottos älterer Halbbruder Thankmar, Heinrichs Erstgeborener, von Anfang an gegen ihn.

Um ihnen einen Dämpfer zu verpassen zelebrierte Otto seine Krönung möglichst prunkvoll und denkwürdig. Im Anschluss reiste er nach Magdeburg, seine selbsterkorene Königsstadt und versuchte die auf ihn eingeschworenen Fürsten unter Kontrolle zu bringen. Dies fiel ihm nicht unbedingt leicht, da er sich im Gegensatz zu seinem Vater herzlich wenig um ihre Belange scherte. Er regierte mit fester Hand, teilweise scheinbar willkürlich und überging des Öfteren feste Erbregelungen,  was ihm einige Feinde eintrug. Durch die Bevorzugung seiner Getreuen schaffte er sich jedoch eine feste Basis an Anhängern, die nur ihm treu ergeben waren.

Otto machte sich einen seiner Fürsten, den Konradinerherzog Eberhard, zum Feind als er sich in einen Zwist zwischen ihm und dem Sachsen Brun einmischte. Ottos harter, aber gerechter Richtspruch demütigte Eberhard und verleitete ihn zu einem Bündnis mit Thankmar. Sie entfachten eine Adelsrebellion in deren Verlauf Ottos jüngerer Bruder Heinrich gefangen genommen wurde. Otto konnte sich gegen die Abtrünnigen durchsetzen und seinen Bruder Thankmar auf der Erseburg in Sachsen in die Enge treiben. Unter Ottos Soldaten befanden sich auch Gefolgsleute Heinrichs, die Thankmar trotz Kapitulation, für die Schmach ihren Herrn gefangen genommen zu haben, töteten. Eberhard ergab sich nach Thankmars Tod und wurde von Otto begnadigt.

Jetzt intrigierte jedoch Heinrich gegen Otto, wieder mit Eberhard als Verbündetem und dem Lothringer Giselbert. In der Schlacht bei Andernach 939 starb Eberhard, Giselbert ertrank auf der Flucht im Rhein. Heinrich wurde von seinem Bruder begnadigt und als Statthalter in Lothringen eingesetzt. Er plante jetzt jedoch ein Attentat auf Otto bei den Osterfeierlichkeiten 941. Der Plan wurde Otto verraten, er ließ die Verschwörer hinrichten und seinen verräterischen Bruder in der Ingelheimer Pfalz festsetzen. Ein halbes Jahr später warf Heinrich sich dem König demütig vor die Füße und erreichte so eine Aussöhnung mit seinem Bruder. Dieser setzte ihn jetzt als Herzog in Bayern ein.

Im Jahre 951 machten sich sowohl Otto als auch sein Sohn Liudolf auf, um der ital. Königswitwe Adelheid zur Hilfe zu kommen. Liudolf wurde durch Intrigen seines Onkels Heinrichs am Einzug in Italien gehindert und so konnte sein Vater die junge Witwe heiraten und sich jetzt stolz rex francorum et langobardorum nennen. Daraufhin verbündete sich Liudolf mit Herzog Konrad dem Roten, Ottos Schwiegersohn und entfachte 952 erneut einen Adelsaufstand.

Im Osten setzten Otto die Magyar, das ungarische Reitervolk, seit Jahren schwer zu. Ihre Blitzüberfälle auf Städte, Kirchen und Dörfer waren jedes mal verheerend.  Den Adelsaufstand von 952 nahmen sie zum Anlass um 954 eine Invasion in Ottos sowieso schon geschwächtes Reich zu unternehmen. Zu allem Überfluss hatte sich auch noch Liudolf mit den Ungarn verbündet um seine eigenen Besitztümer zu schützen. Als sich dieser Verrat des Königssohns im Volk herumsprach, schlug Otto eine wahre Sympathiewelle entgegen. Jetzt konnte er sogar auf den Rückhalt seiner erbittertsten heimischen Feinde vertrauen. Auch Konrad wandte sich von Liudolf ab; dieser stand jetzt ganz allein da und musste sehr bald einlenken. Auch ihm verzieh Otto in guter christlicher Manier

Die Truppen der Magyaren bestanden aus berittenen Bogenschützen, was ihnen eine unglaubliche Schnelligkeit und Mobilität verlieh und sie umgingen geschickt jede offene Feldschlacht mit Ottos Truppen. Der deutsche König wäre machtlos gegen sie gewesen, hätten sie nicht ihre Taktik im August 955 geändert. Wahrscheinlich durch ihre großen Erfolge berauscht, begannen sie damit Augsburg zu belagern, obwohl sie für solche Aktionen weder ausgerüstet noch ausgebildet waren.  Um sie zu schlagen setzte Otto auf Panzerreiter und versammelte ein Aufgebot der Stämme. 12.000 Männer aus allen Teilen seines Reiches, inkl. einer Abordnung aus Böhmen, bildeten das den Magyaren zahlenmäßig gleichwertige Heer. Mit der göttlichen Unterstützung der Heiligen Lanze zog Ottos Heer am Morgen des 10. August 955 gegen das Lechfeld, auf dem die entscheidende Schlacht stattfinden sollte. Die Magyaren überfielen jedoch noch vor Beginn der Schlacht die Nachhut aus dem Hinterhalt. Konrad wurde vom König ans Heeresende geschickt, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen. Da die Magyaren sich auf ihre Beute, das komplette Gepäck des Heereszugs, konzentrierten, gelang es Konrad tatsächlich die Überfalltruppe zu besiegen. Jetzt brach der Kampf richtig aus.

Dem großen Beter Otto kam dann auch tatsächlich die göttliche Fügung zu Hilfe. Sommergewitter brachen los und übergossen das Lechfeld mit sintflutartigen Regenfällen. Dieser Regen machte die Bögen der Ungarn unbrauchbar, die Leimung löste sich auf und sie verzogen sich. Somit ging ihnen ihr großer Vorteil des Fernkampfes verloren und sie versuchten bald zu flüchten. Otto hatte jedoch sämtliche Fluchtwege blockieren lassen und so wurden fast alle Ungarn innerhalb der nächsten Tage niedergemetzelt; nur einige wenige überlebten und konnten in die Heimat zurückkehren.

Der Kampf gegen die Magyaren hatte in Ottos Reich ein neues Gefühl der Gemeinschaft geweckt. Das verbündete Aufgebot der Stämme ließ zum ersten Mal erahnen, was ein wahrlich geeintes Reich vollbringen kann. Aus diesem Grund reiste der König auch 961 mit 10.000 Kriegern aus allen Stämmen nach Italien, um dem Hilferuf des Papstes Johannes XII. nachzukommen. Der Markgraf Berengar bedrohte den päpstlichen Besitz. Er war jedoch für Otto kein Gegner und der Papst setzte dem König zur Belohnung am 02. Februar 962 endlich die lang ersehnte Kaiserkrone aufs Haupt.

Jetzt stand er aber vor neuen Herausforderungen. Die ital. Fürsten waren ebenso rebellisch wie einst die deutschen, die internationale Politik mit der sich der Kaiser plötzlich befassen musste verlangte auch Kriege gegen fremde Völker wie die Araber oder die Normannen und brachte ihn in Opposition zum byzantinischen Reich. Um mit Byzanz Frieden zu halten stiftete Otto eine Ehe zwischen seinem nach ihm benannten Sohn und Nachfolger und einer byzantinischen Prinzessin. Im Jahr 971 traf eine byzantinische Gesandtschaft ein, jedoch nicht mit einer Prinzessin, sondern mit Theophanu, die lediglich eine Nichte des Kaisers war. Trotz dieses politischen Affronts heiratete Otto II. die ihm geschickte Braut und bescherte somit der deutschen Geschichte eine seiner (später) mächtigsten und einflussreichsten Frauen.

Zehn lange Jahre hielt sich der Kaiser im Süden auf, bevor er 973 wieder in den Norden zog. Aus seinem Heer war mittlerweile eine Einheit geworden, die sich zwar noch nicht als deutsch, aber als Teil eines geeinten Reiches sah. In Italien waren sie immer abfällig als tedeschi bezeichnet worden; unter diesem Begriff konnten die Stämme des Ostfrankenreichs endlich ihre Gemeinsamkeit definieren.

Am 07. Mai 973 befiel den Kaiser in Memleben überraschend ein schweres Fieber an welchem er innerhalb weniger Stunden verstarb. Sein Leichnam wurde nach Magdeburg überführt und neben seiner ersten Frau Edgitha zur Ruhe gebettet.

 

  • Ottos Reich war ein Reisekönigtum. Er verbrachte über die Hälfte des Jahres auf einem Pferderücken und reiste von Pfalz zu Pfalz auf einer festen Route, um sein Königreich regieren zu können. So bekamen auch seine Untertanen die Möglichkeit ihren König einmal im Jahr zu Gesicht zu bekommen, was in dieser Zeit sehr wichtig war
  • Die Menschen verstanden sich damals nicht als Deutsche, sondern als Bayern, Schwaben, Franken oder Sachsen, die regionale Herkunft war von fundamentaler Bedeutung für den Einzelnen. Einzige Gemeinsamkeit war die Sprache, das so genannte „thiudisc“(„Sprache des gemeinen Volkes).  Zwar hatte jede Region ihren eigenen Dialekt, jedoch ähnelten sie sich alle so sehr, dass man sich mit nur kleinen Schwierigkeiten untereinander verständigen konnte.


[1] Die Herrschaft Heinrichs bedeutete eine große Zäsur im Ostfrankenreich, da er nicht wie seine Vorgänger Franke, sondern ein Sachse war, ein Stamm, der erst hundert Jahre zuvor durch Karl den Großen zwangschristianisiert worden war.

 




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