Mittelalter FAQ > Karl der GroßeZurück zur Übersicht

  • * 748 , † 814 in Aachen
  • Sohn des fränk. Hausmeiers Pippin der Jüngere, der sich 751 zum König der Franken erhob, Enkel von Karl Martell
  • 751 Geburt seines Bruders Karlmann, Krönung des Vaters zum König
  • ab 768 König des Fränkischen Reiches
  • 769 Geburt des ersten Sohnes Pippin („des Buckligen“)
  • 772 erster Feldzug gegen die Sachsen
  • 774 rex Francorum et Langobardorum
  • Weihnachten 800 in Rom: „überraschende“ Krönung Karls zum Kaiser
  • 806 Divisio regnorum
  • 812 Anerkennung als Kaiser durch Byzanz

 

Schon fast hundert Jahre vor Karls Geburt  begann der langsame Prozess der Ablösung der bis dahin herrschenden Merowinger durch die Karolinger. Die merowingischen Könige waren nur noch Schattenkönige und dienten lediglich der Legitimation der karolingischen Hausmeier. Karls Vater, Pippin der Jüngere, erreichte durch ein Bündnis mit dem Papst als erster aus dem Geschlecht der Karolinger die offizielle Königswürde im Jahr 751. Drei Jahre später starben seine beiden Brüder sowie deren Söhne fast auf einen Schlag und stellten somit keine Konkurrenten mehr im Kampf um die Königswürde im Frankenreich dar. Im selben Jahr ließ er sich zusammen mit seinen Söhnen Karl und Karlmann vom Papst salben und wurde zum patricus Romanorum ernannt. Pippin besiegte mehrmals die Langobarden unter Aistulf und unterwarf 768 auch ganz Aquitanien. Kurze Zeit später verstarb er.

Karl wurde nach dem Tod seines Vaters zusammen mit seinem jüngeren Bruder Karlmann zum fränkischen König ernannt. Ein Jahr nach der gemeinsamen Thronbesteigung entbrannten heftige Spannungen zwischen den Brüdern. So verweigerte Karlmann seinem Bruder die Unterstützung bei der Befriedung des wiedermal aufständischen Aquitaniens, welches in Karls Machtbereich fiel. Karl und seiner Mutter Bertrada gelang es 770 durch eine geschickt Hochzeitspolitik[1] mit den Langobarden unter König Desiderius ein Bündnis einzugehen, gegen das sich Papst Stephan III. zuerst wehrte, es zuletzt jedoch billigte. Somit umschloss Karls Herrschaftsgebiet jetzt Karlmanns zur Gänze. Karlmann versuchte zu intervenieren und den Papst auf seine Seite zu ziehen, jedoch verstarb er sehr bald im Alter von nur 20 Jahren. Nach Karlmanns Tod 771 war Karl endlich alleiniger Herrscher.

Karlmanns Witwe Gerberga floh mit ihren beiden kleinen Söhnen zu Karls Schwiegervater Desiderius, der ihr Schutz gewährte, da er eher an einer weiteren Teilung als an einem vereinten Frankenreich interessiert war. Dies fasste Karl als Kampfansage auf und verstieß Desiderius Tochter, seine zweite Ehefrau, nach nur einjähriger Ehe. Ihr folgte Hildegard, eine Kusine des Bayernherzogs Tassilo.

Karl und Desiderius versuchten beide zunächst ihre Stellung zu sichern und sammelten ihre Kräfte, anstatt sogleich den anderen anzugreifen. Karl unternahm unterdessen 772 seinen ersten Feldzug gegen die Sachsen, die ihn 30 Jahre lang immer wieder beschäftigen sollten. Dabei zerstörte er das zentrale Heiligtum der Sachsen, die Irminsul. Aus der Beute konnte er endlich seine Gefolgsleute, die ihm schon gegen seinen Bruder Karlmann beigestanden hatten, entlohnen. Die normale Verteilung von Besitzungen war bei der Übernahme der Ländereien seines Bruders ausgeblieben, da sich Karlmanns Gefolgsleute Karl aus freien Stücken angeschlossen hatten. 773 zog Karl dann gegen den Langobardenkönig. Dessen Sohn Adelchis lieferte Karlmanns Familie bei der Belagerung von Verona aus.[2] In der Mitte des Jahres 774 kapitulierte Desiderius nach neun Monaten Belagerung endlich und wurde in ein Kloster verbannt.[3]

Jetzt besaß Karl den Titel des rex Francorum et Langobardorum und herrschte über den größten Teil Kontinentaleuropas. Während er mit der Eroberung des Langobardenreiches beschäftigt gewesen war, überfielen die Sachsen Kirchen und Klöster in Nordhessen, wahrscheinlich als Rache für die Zerstörung der Irminsul. Deswegen beschloss Karl  775 die heidnischen Sachsen solange zu bekämpfen, bis sie besiegt und christianisiert oder ausgelöscht wären.[4] 

Er fiel in die südlichsten Gebiete der Sachsen ein. Zuerst ergaben sich die Ostfalen, dann die Engern, erst ganz zum Schluss leisteten auch die Westfalen Treueeide gegenüber Karl.[5]  Nur ein Jahr später erhoben sich die Sachsen erneut während Karl einen langobardischen Aufstand in Italien niederwarf. Mit der darauffolgenden Unterwerfung wurde die Christianisierung der Sachsen begonnen. Einem Ruf des muslimischen Statthalters von Zaragossa folgend, reiste Karl  778 mit seinem Heer nach Spanien. Dort kam er jedoch nicht gegen die sarazenische Besatzung an und kehrte um. Auf dem Heimweg ließ er die Befestigung der Stadt Pamplona schleifen, was die christlichen Basken dazu veranlasste, seine Nachhut in den Pyrenäen komplett aufzureiben.[6]  Bei seiner Rückkehr waren es wieder einmal die Sachsen, die ihm Ärger bereiteten. Unter ihrem Anführer Widukind hatten sie die Karlsburg auf sächsischem Boden zerstört und waren den Rhein bis nach Koblenz herunter gekommen. Dieses Eindringen auf fränkisches Gebiet gab Karl nun die formale Berechtigung zu einem sehr harten Vorgehen. Er unterwarf die Sachsen mit aller Gewalt und erreichte 785 sogar die Taufung Widukinds, wobei er als Taufpate fungierte.

Schon 783 war Karls dritte Ehefrau Hildegard, die Kusine von Herzog Tassilo von Bayern, gestorben. Nach ihrem Tod verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Karl und Tassilo und gipfelte 788 in einem Schauprozess, an dessen Ende Tassilo zu lebenslanger Klosterhaft verurteilt wurde und Bayern an Karl fiel. Mit der Übernahme Bayerns bekam der König jedoch neue, gefährliche Nachbarn, die Awaren. 791 unternahm Karl den ersten Zug gegen die Awaren, der jedoch aufgrund ihrer Ausweichtaktik nicht erfolgreich war. Diese Niederlage Karls war für die Sachsen das Signal zum erneuten Aufstand. Jahr für Jahr musste er mit seinem gleichnamigen Sohn die Sachsen wieder befrieden. Zeitgleich versuchte sein ältester Sohn, Pippin der Bucklige, den Karl von der Thronfolge ausgeschlossen hatte, mit zahlreichen hochadligen Anhängern sich gegen den Vater aufzulehnen. Sein Aufstand misslang und er wanderte für den Rest seines Lebens in ein Kloster. Dem jüngeren Bruder, Pippin von Italien, gelang dafür 796 die Unterwerfung der Awaren.  Im Jahr 799 empfing Karl den aus Rom geflohenen Papst Leo III. in Paderborn. Er entstammte nicht der adligen Führungsschicht Roms, was seit seiner Benennung zum Papst 795 zu Unruhen in der heiligen Stadt geführt hatte. Die Unruhen hatten ihren Gipfel in der Entführung, Verstümmelung und versuchten Blendung des Papstes erreicht. Er wurde jedoch befreit und bat Karl nun um Unterstützung.[7]  Karl begleitete Papst Leo nach Rom und schickte die Verschwörer nach einer Untersuchung ins Exil. Danach unternahm er im Jahre 800 eine Rundreise durch sein Reich, kam jedoch zum Weihnachtsfest wieder nach Rom.

Am Morgen des 25. Dezember 800 betrat Karl St. Peter in Rom um dort an der Weihnachtsmesse teilzunehmen. Als er sich nach dem Gebet erhob, setzte ihm Papst Leo III. die Krone auf das Haupt. Angeblich hatte Karl davon nichts gewusst und laut Einhard wäre er der Messe sogar fern geblieben, hätte er so etwas auch nur erahnt. Mit dieser Handlung war das mittelalterliche Kaisertum gegründet, aber auch eng an das Papsttum gebunden worden.

Die byzantinische Kaiserin Irene in Konstantinopel erkannte Karl nicht als Kaiser an, trat jedoch in Verhandlungen mit ihm. Diese führte ihr Nachfolger Nikephoros nach ihrem gewaltsamen Sturz 802 fort, wobei aber auch er Karl die Anerkennung verweigerte. Schließlich war Karl nur ein Barbar und Konstantinopel der einzig wahre Erbe der röm. Kaisertradition.[8] 

804 zog Karl ein letztes Mal gegen die Sachsen. Nach über 30 Jahren war auch dort seine Herrschaft gänzlich anerkannt worden. Außerdem unterhielt er gute Kontakte zu dem arabischen Kalifen, der ihm die Verfügungsgewalt über das Grab Christi in Jerusalem überließ.

Im Jahr 806 regelte Karl mit der Divisio regnorum sehr genau die Teilung seines Reiches nach seinem Tod. Er teilte es unter seinen drei noch erbberechtigten Söhnen auf, wobei Karl der Jüngere augenscheinlich der Haupterbe sein sollte. Auch wurde die Verteilung des Reiches im Todesfalle eines der drei Söhne genau geregelt. Dieses Testament ließ er sogar von Papst Leo III. abzeichnen. Jedoch war nicht festgelegt worden, welcher seiner Söhne ihm als Kaiser nachfolgen sollte.

Die Nachfolgeregelung konnte Karl erst 812 treffen, nachdem der byzantinische Kaiser Michael I., der Schwiegersohn Nikephoros´, seinen Kaisertitel offiziell anerkannt hatte. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch schon zwei seiner drei Söhne tot. Pippin von Italien war bereits 810, Karl der Jüngere 811 gestorben. Nur der jüngste Sohn, Ludwig von Aquitanien (der Fromme),  war übriggeblieben. Er wurde 813 von seinem Vater zum Mitkaiser erhoben.

Seinen letzten Winter verbrachte Karl, wie schon die Jahre zuvor, in Aachen. Dort wurde er im Januar von einem heftigen Fieber befallen, welchem er nach sieben Tagen erlag. Er verstarb am 28. Januar 814 und wurde noch am selben Tag in der Marienkirche in Aachen beigesetzt.

 

  • es ist bekannt, dass Karl der Große sehr wissbegierig war, sich in den septem artes liberales auskannte, Latein und einige andere Sprachen lesen und sprechen konnte. Das Schreiben hatte er bis ins hohe Alter geübt, meisterte es jedoch nie
  • sowohl Deutsche als auch Franzosen führen die Anfänge ihrer Nationalgeschichte auf ihn zurück
  • die bedeutendste Quelle zu seinem Leben bietet uns die Vita Karoli Magni vom Mönch Einhard, der selbst an Karls Hof lebte
  • er liebte das Baden, schwamm viel & sehr gut; vor allem die heißen Quellen in Aachen liebte er


[1] die Unauflösbarkeit der Ehe war noch nicht durchgesetzt worden

[2] was aus ihnen wurde ist ungewiss

[3] sein Sohn Adelchis konnte jedoch in das Byzantinische Reich fliehen

[4] ob Karl bewusst war, dass die Sachsen kein homogenes Volk darstellten, sondern sich vielmehr aus vielen einzelnen Stämmen zusammensetzten, ist nicht bekannt

[5] trotz ihrer Unterwerfung wurden die Sachsen nicht christianisiert, was verdeutlicht, dass es Karl nicht um die Verbreitung des Christentums, sondern eher um die Ausweitung seines Reiches gegangen war

[6] von dieser Schlacht erzählt das Rolandslied

[7] man vermutet das Leo III. dem Frankenkönig die Kaiserwürde als Gegenleistung angeboten hat

[8] das Karl offiziell von Papst bestätigt worden war  half seinem Ansehen in Byzanz auch nicht




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