Burg zu Burghausen
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Die Burg zu Burghausen oberhalb der Altstadt der gleichnamigen Stadt ist mit 1051 Metern die längste Burganlage Europas und gilt seit einem Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als „längste Burg der Welt“. Sie besteht aus sechs Burghöfen und ist bis auf wenige Ausnahmen aus Tuffquadersteinen (Travertin) errichtet. Ein großer Teil der Bauten und der Charakter der Gesamtanlage stammen aus der Zeit als Residenz der niederbayerischen Linie der Wittelsbacher (1392–1503). Nach dem Ende als Residenz erhielt Burghausen bis 1802 das Rentamt und damit Hauptstadtstatus, was zu weiteren Aus- und Umbauten der Burg führte. Als Garnisonsstandort (1763–1891) wurde die Burg zuletzt noch einmal stark verändert. Große Gebäudeteile wurden abgerissen, nicht zuletzt unter französischer Besatzung um 1800.

Die Wurzeln der Burganlage reichen weit zurück. Die außergewöhnliche Lage des Burgberges führte schon in der Bronze- und Eisenzeit zu einer Besiedlung im Bereich der heutigen Hauptburg. Außerdem stieß man bei Grabungen auf zahlreiche Spuren aus keltischer und römischer Zeit. Abgesehen von Fundamentresten stammen die ältesten Teile der Burg aus dem Hochmittelalter, die älteste bis heute erhaltene schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1025.

 

Bei umfangreichen Grabungen unter der Dürnitz in den Jahren 2002 bis 2004 wurden unter anderem eine Reihe von Scherben gefunden, die auf das 16. Jahrhundert vor Christus datiert werden. Damit wurde eine lang gehegte Vermutung bestätigt, dass der Burgberg in Burghausen bereits seit der Bronzezeit besiedelt war. Als „kleine Sensation‟ gilt der Fund von Resten einer Trockenmauer aus derselben Epoche, ebenfalls unter der Dürnitz. Auch zahlreiche Relikte aus der Eisenzeit kamen bei diesen Grabungen zu Tage.

Im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. existierte wahrscheinlich eine keltische Abschnittsbefestigung auf dem Areal der heutigen Hauptburg; zahlreiche Funde keltischer Fibelteile sind starke Indizien für diese Annahme. Ähnliches gilt auch für die Epoche, in der das heutige Burghausen Teil der römischen Provinz Noricum war; aus dieser Zeit wurden bei Grabungen Münzen von Kaiser Marc Aurel bis Kaiser Konstantin entdeckt. Spätestens seitdem war das Schicksal der Ansiedlungen untrennbar verbunden mit dem Handel von Salz über die Salzach. Man geht heute von einer mehr oder weniger durchgehenden Nutzung und Besiedlung des Areals von der Bronzezeit bis in unsere Tage aus.

Aus dem frühen Mittelalter gibt es nur spärliche Hinweise auf eine Bebauung des Burghügels. Vom 8. bis ins 10. Jahrhundert stand an der Stelle wahrscheinlich ein befestigter Amtshof der agilolfingischen Herzöge zur Überwachung der Salzschifffahrt – Fundamentreste deuten darauf hin. In der nahen Umgebung lassen sich ebenfalls zahlreiche Siedlungen aus dieser Zeit nachweisen, zudem war das Inn-Salzach-Mündungsgebiet geografisches Zentrum des agilolfingischen Machtbereichs, der im 10. Jahrhundert vom Lech bis zum Wienerwald und vom Fichtelgebirge bis zur Adria reichte. Der Zerfall des agilolfingischen Stammesherzogtums hatte zur Folge, dass sich die Umgebung der Burg Burghausen von nun an zwischen dem Hochstift Passau, dem Erzstift Salzburg, dem Herzogtum Österreich und der Propstei Berchtesgaden befand.

Im Jahr 1025, noch zur Regierungszeit des letzten Luxemburgers Herzog Heinrich V. von Bayern, wurde Burghausen urkundlich als Reichsgut erwähnt – die älteste bis heute überlieferte Erwähnung. Zu dieser Zeit wie im gesamten 11. Jahrhundert ist auf dem Burghügel der Sitz der Grafen von Burghausen nachzuweisen, einer Nebenlinie der Sieghardinger. Ein erster größerer Ausbau fand um 1090 statt, aus dieser Zeit sind noch Fragmente des Palas erhalten. 1130 wurde der Siedlung unter der Burg das Marktrecht verliehen und Burghausen in Quellen bereits als urbs bezeichnet. 1140 wurde in der Talsiedlung der Vorgängerbau der heutigen Jakobskirche geweiht. Nach dem Tod des letzten Grafen von Burghausen, Gebhard II., ging die Burg 1168 schließlich in den Besitz und Machtbereich der Wittelsbacher über; Teile der dazugehörigen Ländereien gingen an die Babenberger. Ab 1180, unter der Herrschaft des Wittelsbachers Otto I., erster Herzog von Bayern, wurde die Burg massiv weiter ausgebaut. 1235 schließlich, dem Geburtsjahr Heinrichs XIII., erhielt Burghausen das Stadtrecht; zwischen Burg und Salzach hatte sich mittlerweile eine für mittelalterliche Verhältnisse stattliche Ansiedlung entwickelt.

Nach der ersten Teilung Bayerns wurde unter dem etwa 20-jährigen Herzog Heinrich XIII. ab 1255 eine völlig neue Anlage gebaut, die teilweise noch heute innerhalb der Hauptburg erhalten ist. Die innere Schlosskapelle aus diesem Jahr gilt als die älteste frühgotische Kirche im südbayerischen Raum. Ebenfalls aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammen Dürnitz und Kemenate. Die Burg zu Burghausen diente ab diesem Zeitpunkt als zweite Residenz der Herzöge von Niederbayern neben der Burg Trausnitz in Landshut.

In den beiden darauffolgenden Jahrhunderten fanden die wichtigsten und intensivsten Bauperioden statt. Nach einer erneuten Teilung Bayerns unter den Söhnen Stephans II. im Jahr 1392 blieb die Burg zu Burghausen zweite Residenz der neu geschaffenen Linie Bayern-Landshut. Erster Regent war Herzog Friedrich der Weise († 1393). Unter den drei „reichen“ Wittelsbacher Herzögen dieser Linie (Heinrich 1393-1450, Ludwig 1450-1479 und vor allem Georg 1479-1503) wurde die Burganlage massiv ausgebaut und erhielt ihren heutigen Charakter. Besonders die Angst vor den anrückenden Türken Ende des 15. Jahrhunderts führte zu einem starken Festungsausbau. Die Hauptlast der Baumaßnahmen hatten die Bauern aus der Umgebung zu tragen.

Als Residenz musste die Burg neben der Funktion als Festung auch den Raum für ein funktionierendes Gemeinwesen bieten. Die Anlage bekam die Gestalt einer in sich geschlossenen, großzügigen Wehr- und Wohnburg. Die enormen Ausmaße – in dieser Zeit erreichte die Burg ihre heutige Länge von über einem Kilometer – erlaubten sogar das Anlegen größerer Gärten. Der Marstall beherbergte mehrere hundert Pferde. Handwerksbetriebe, Wohn- und Verwaltungsräume sowie mehrere Kirchen waren über die verschiedenen Burghöfe verteilt. Die Bewohner verteilten sich je nach Stand von „oben“ (Hauptburg) nach „unten“ (Sechster Burghof).

Mit dem Landshuter Erbfolgekrieg (1504/05) und der damit verbundenen „Wiedervereinigung“ der Bayerischen Herzogtümer unter Albrecht IV. verlor Burghausen den Status als Residenz. Stattdessen diente die Burg nun den Söhnen Herzog Albrechts als so genannter „Prinzenwohnsitz“. Zu dieser Zeit lebte auch der Chronist Johannes Thurmayr, besser bekannt als Johannes Aventinus, für einige Zeit in Burghausen – allerdings nicht in dem Gebäude der Burg, von dem es eine angebrachte Tafel und sogar der Name des Hauses („Aventinushaus“) heute berichten.

Die Burg hatte im Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit aufgrund ihrer außerordentlichen Lage und ihrer Funktion als Hauptwaffenplatz weiterhin eine große militärische Bedeutung. Weitere Umbauten wurden ab dem 16. Jahrhundert bis ins 18. Jahrhundert unter der Prämisse der Wehrhaftigkeit vorgenommen; der Residenzcharakter trat dabei langsam auch architektonisch wieder in den Hintergrund. Einen detaillierten Überblick über die Burg zu Burghausen wenige Jahrzehnte nach ihrer Blütezeit als Residenz bietet das berühmte Modell von Jakob Sandtner aus dem Jahr 1574. Im 17. Jahrhundert, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde die Befestigung besonders verstärkt, insbesondere vor den 1632 anrückenden Schweden. In diesem Zusammenhang saß der schwedische Feldmarschall Gustav Graf Horn von 1634 bis 1641 im Kerker der Hauptburg.

Im 18. Jahrhundert wurden die Außenwerke der Burg nach dem System des Festungsbaumeisters Sébastien Le Prestre de Vauban erweitert. Nach Bayerns Beteiligung im Österreichischen Erbfolgekrieg 1740-1748 folgten umfangreiche Umbauten, vor allem nach der Ernennung Burghausens zur Garnisonsstadt im Jahr 1763. Als Folge des Bayerischen Erbfolgekriegs 1778/1779 und dem anschließenden Frieden von Teschen wurde Burghausen durch die Abtretung des Innviertels an das Herzogtum Österreich zur Grenzstadt; zwar wurde die Grenzziehung entlang der Salzach unter Napoléon I. noch einmal kurz revidiert, das Innviertel kam aber nach dem Wiener Kongress 1814/15 endgültig an das Kaisertum Österreich. Während der napoleonischen Besatzung wurden in den Jahren 1800 und 1801 alle nördlichen Außenwerke durch französische Truppen unter Marschall Michel Ney abgerissen. Dadurch war der einzige verwundbare, ebenerdige Zugang zur Burg offen gelegt. 1809 erklärte Napoléon I. die Festungsanlage für veraltet. In den Jahrzehnten danach kam es zu zahlreichen Umbauten durch die in Burghausen stationierte Garnison, Teile der Burg wurden gleichzeitig privat veräußert. 1891 wurde die Garnison aufgelassen. Ein bereits geplanter Abriss der Burg konnte von Burghauser Bürgern gerade noch verhindert werden.

1896 begann eine erste Renovierung der Hauptburg, die teilweise stark in das Erscheinungsbild der Anlage eingriff. Seit den 1960er Jahren bis heute wird die gesamte Burganlage weiter saniert. Teilweise wird seit kurzem auch versucht, spätere Eingriffe (vor allem des 19. und 20. Jahrhunderts) wieder rückgängig zu machen, was nicht unumstritten ist. Heute gehört die Burg zum größten Teil dem Freistaat Bayern und steht unter der Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, kurz Bayerische Schlösserverwaltung. Diese vermietet Teilbereiche der Burg als Wohnungen, andere als Veranstaltungsräume. In der Hauptburg wie auch in anderen Burghöfen befinden sich mehrere Museen, u.a. ein Foltermuseum, ein Burg- und Stadtmuseum, eine Außenstelle der Bayerischen Staatsgalerie und ein Fotomuseum.

2004 war die Burg eine der zwei Hauptausstellungsflächen der Landesgartenschau Bayern. Hierfür wurden in den Jahren 2002 bis 2004 erneut umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. So ist seitdem wieder möglich, den gesamten oberen Zwinger der Hauptburg zu betreten. Außerdem brachten archäologische Grabungen im Bereich der Hauptburg (Dürnitz) beachtenswerte Funde zu Tage, die heute im Besucherzentrum der Hauptburg besichtigt werden können.

Vom 27. April bis zum 4. November 2012 veranstaltete das Haus der Bayerischen Geschichte und die Stadt Burghausen in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Schlösserverwaltung sowie mit dem Amt der Oberösterreichischen Landesregierung in der Burganlage die Bayerische Landesausstellung mit dem Titel: Bayern und Österreich im Mittelalter: Verbündet - Verfeindet - Verschwägert. Weitere Ausstellungsorte waren auf der österreichischen Seite das Schloss Mattighofen, das von der Gemeinde für diese Ausstellung 2007 erworben und umgebaut wurde sowie das ehemalige Augustinerkloster Ranshofen in Braunau am Inn.

 


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