Schloss Augustenburg (Dänemark)
von PodracerHH (Eigenes Werk) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
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Das Schloss Augustenburg (dänisch: Augustenborg Slot) in Augustenburg auf der Insel Alsen in Dänemark war namensgebend für die Linie Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, einen Familienzweig des Hauses Oldenburg.[1] Die herzogliche Familie bewohnte das Schloss bis 1848, dann musste sie es infolge der Ereignisse des Schleswig-Holsteinischen Krieges verlassen. Das Gebäude wurde danach zweckentfremdet und diente unter anderem als Kaserne. Seit 1932 beherbergt das Schlossareal eine psychiatrische Klinik.

Der Bau von 1770 geht auf ein älteres Schloss aus dem 17. Jahrhunderts zurück. Es ist die größte und einheitlichste Barockanlage im südlichen Dänemark.[2] Abgesehen von Schloss Gottorf im heutigen Schleswig-Holstein ist es der größte erhaltene Residenzbau im einstigen Herzogtum Schleswig.

Die Geschichte von Schloss Augustenburg beginnt mit dem Erbe Herzog Johanns von Schleswig-Holstein-Sonderburg. Er hinterließ seinen fünf erbberechtigten Söhnen bei seinem Tod 1622 jeweils ein kleines Titularherzogtum. Sein Sohn Alexander erhielt das Gebiet rund um Sonderburg.[3] Nach dem Tode Herzog Alexanders 1627 war das von der Landesregierung abgetrennte kleine Duodezfürstentum Schleswig-Holstein-Sonderburg nicht weiter teilbar. Von den sechs Söhnen des Herzogs erbten fünf lediglich den herzoglichen Titel, mussten aber für ihre Versorgung Güter außerhalb des Teilherzogtums erstehen. Alexanders drittältester Sohn Ernst Günther erwarb einige Güter und Bauernhöfe auf den Inseln Ærø und Alsen.[4] Auf Alsen ließ er einige Höfe des Dorfs Stavensböl abreißen und stattdessen ein adliges Gut errichten, dessen Mittelpunkt ein von 1661 bis 1663 erbautes Schloss wurde.[5]

Das erste Schloss in Augustenburg war ein großzügiger, in Fachwerk ausgeführter Bau[6] der nach der Frau des Herzogs, Auguste von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, Augustenburg genannt wurde. Dieses Gebäude war der Vorgängerbau der heutigen Schlossanlage. Nachdem sich die verschiedenen Sonderburger Linien zunächst alle als Herzöge von Sonderburg oder auch als Herzöge von Schleswig-Holstein bezeichnet hatten, setzte sich bis ins 18. Jahrhundert für die einzelnen Familienzweige eine offizielle Titulierung nach dem Residenzort durch.[1]

Das Schloss wurde zum Stammsitz des Augustenburger Familienzweiges, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts weiteren Besitz erwerben und seinen Güterkomplex zunehmend ausbauen konnte.[5] Nach dem Konkurs einer verwandten Nebenlinie erhielten die Augustenburger, die enge Beziehungen zur dänischen Krone pflegten, 1675 auch den alten Stammsitz Schloss Sonderburg als Amtssitz vom dänischen Königshaus zur Verfügung gestellt.[7][5] Der Besitz der Familie vergrößerte sich im 18. Jahrhundert weiter, und mit Schloss Gravenstein wurde auf der Halbinsel Sundewitt ein Sommersitz erworben. Schloss Augustenburg blieb jedoch der Hauptwohnsitz der herzoglichen Familie,[8] der auch regelmäßig von Mitgliedern der dänischen Königsfamilie besucht wurde.[9] Herzog Christian August I. hielt einen umfangreichen Hofstaat mit zahlreichen Festen und Banketten.[8] Unter ihm wurden um 1733 erstmals Pläne entworfen, das Schloss durch einen Neubau zu ersetzen, für den allerdings vorläufig die finanziellen Mittel fehlten.

Die Einkünfte aus den zahlreichen Gütern wurden für eine aufwendige Hofhaltung benötigt, und die stetigen Ausgaben führten im Laufe des 18. Jahrhunderts zu einer zunehmenden Verschuldung des herzoglichen Hauses. Unter Herzog Friedrich Christian I. gelang jedoch nach über zehnjährigen Verhandlungen 1764 ein Kontrakt mit der dänischen Krone, der den herzoglichen Etat sanierte. Als Nachkommen einer königlich-dänischen Nebenlinie – der Stammvater Herzog Johann von Schleswig-Holstein-Sonderburg war ein Sohn des dänischen Königs Christian III. – verfügten die Augustenburger über volle Erbrechte in Schleswig und Holstein.[9] Das Herzogtum Plön drohte, im Mannesstamm auszusterben und die Augustenburger Linie hätte Erbansprüche stellen können.[10] Herzog Friedrich Christian bot an, auf alle seine Erbrechte in Schleswig und Holstein zu verzichten, die auch das abgeteilte Titularherzogtum Glücksburg betrafen. Da die Vollendung des Gesamtstaats eines der größten politischen Ziele des dänischen Reichs im 18. Jahrhundert war, ging König Friedrich V. darauf ein. Der Augustenburger Herzog erhielt eine großzügige Abfindung, mehrere königliche Güter, Kirchenpatronatsrechte und Steuerfreiheit, und das Schloss Sonderburg ging in seinen Besitz über.[10][11] Zusätzlich wurde eine Hochzeit mit Charlotte Amelie von Plön, der Tochter des Plöner Herzogs Friedrich Karl arrangiert, die eine reiche Mitgift in die Ehe brachte.[10]

Die Einkünfte aus dem Verzichtsvertrag beglichen nicht nur den Schuldenstand des Herzogs, sondern ermöglichten auch den Abriss des veralteten Augustenburger Schlosses und einen Neubau. Das neue Schloss wurde in den Jahren 1770 bis 1776 als großzügiger Familiensitz im Sinne des Spätbarocks geplant und ausgeführt. Augustenburg entwickelte sich unterdessen zu einer kleinen Residenzstadt. Die Wirtschaft des Ortes war fast gänzlich vom herzoglichen Haus abhängig,[12] das der Epoche entsprechend eine weitgehend öffentliche Hofhaltung ausübte.[13] Der Tagesablauf orientierte sich am französischen Hofzeremoniell; Feste wurden mit aufwendiger Pracht inszeniert, und zu den öffentlichen Banketten wurden die Einwohner der Stadt als Zuschauer geladen.[13] Nachdem Herzog Friedrich Christian II. die dänische Prinzessin Louise Auguste 1786 geheiratet hatte, gehörten die Augustenburger zur königlichen Familie und damit zum höchsten Adel im Königreich.[14] Ihr Familienschloss auf Alsen war ein Treffpunkt von Hochadel, Politik und Kultur. Herzog Friedrich Christian stand in regem Kontakt zu Friedrich Schiller, und zu den häufigen Gästen auf Augustenburg zählte später zum Beispiel auch Hans Christian Andersen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wollten sich die Augustenburger Herzöge nicht länger mit ihrer Rolle als Titularfürsten zufriedengeben. So bewarb sich 1809 Herzog Christian August um den schwedischen Thron, starb jedoch vor der Krönung.[15] Der Thron wurde anschließend seinem älteren Bruder Friedrich Christian II. angeboten. Dieser wurde daraufhin in Augustenburg durch eine dänische Flottille festgesetzt, denn auch der dänische König Friedrich VI. war an der Herrschaft über Schweden interessiert und versuchte, seinen Mitbewerber von der Wahl fernzuhalten.[15] Die schwedische Krone ging jedoch letztlich an den aus Frankreich stammenden Karl XIV. Johann.

Die Konflikte mit dem Königshaus verschärften sich ab 1846, nachdem Herzog Christian August II. aufgrund einer unklaren Rechtslage künftige Erbansprüche auf den dänischen Thron bei König Christian VIII. angemeldet hatte.[16] In dieser Zeit führte die Schleswig-Holsteinische Frage in den Herzogtümern zunehmend zu Unruhen. Der Konflikt über die Zugehörigkeit Schleswigs zu Dänemark oder zum Deutschen Bund entlud sich im Revolutionsjahr 1848 im Schleswig-Holsteinischen Krieg.[16] Nachdem Herzog Christian August II. offen Partei für die Aufständischen bezogen hatte, brach das Band zu Dänemark endgültig. In der Folge der Ereignisse verließ die Familie ihr Stammschloss auf Alsen.

Der letzte herzogliche Bewohner, Christian August II., verließ das Augustenburger Schloss mitsamt seinem Hofstaat am 26. März 1848. Er und sein Bruder Friedrich Emil August wurden als Verräter betrachtet und nach dem Ende der sogenannten Erhebung 1851 auch offiziell des Landes verwiesen.[16] Das Schloss wurde von der dänischen Armee beschlagnahmt und diente von 1848 bis 1850 als Lazarett und danach bis 1864 als Kaserne.

1852 kam es zu einem Vergleich zwischen Christian August II. und dem dänischen Königreich, indem das unklare Erbrecht der Augustenburger in Dänemark geregelt wurde. Wie schon im Jahrhundert zuvor wurde der offizielle Verzicht auf das Erbrecht durch eine Abfindung ausgeglichen.[17] Die herzogliche Familie erhielt neben der Entschädigung den beweglichen Besitz aus den schleswigschen Gütern zurück. Sie ließ jedoch 1853 einen Großteil des Inventars der Schlösser Gravenstein und Augustenburg versteigern und nahm nur wenige Möbel, Schmuck und die Gemäldesammlung auf das von der Abfindungssumme erworbene Gut Primkenau in Schlesien mit.[17] 1865 konnte die Familie einige Besitzungen auf und um Alsen zurückerlangen, wurde aber durch Otto von Bismarck an einer dauerhaften Rückkehr nach Augustenburg gehindert, denn der preußische Ministerpräsident fürchtete eine Einmischung Herzog Friedrichs in den Plan, Schleswig-Holstein in den preußischen Staat einzugliedern.[18]

Nach dem Zweiten Schleswig-Holsteinischen Krieg gingen die Herzogtümer 1867 offiziell an Preußen über. Obwohl die herzogliche Familie 1884 sowohl das Augustenburger, als auch das Sonderburger Schloss formell zurückerhielten, wurden beide Gebäude nicht mehr von ihr bewohnt. Die Familie nutzte fortan nur noch Schloss Gravenstein.[19] Das Augustenburger Schloss war bis 1876 preußische Kaserne, danach beherbergte es ein Lehrerinnenseminar.

Nach der Eingliederung Nordschleswigs in den dänischen Staat 1920 handelte Herzog Ernst Günther einen Übernahmevertrag für die Augustenburger Besitzungen aus, und 1921 wurde das Schloss an den dänischen Staat verkauft.[12] 1932 wurde eine Nervenheilanstalt in der Anlage eingerichtet, die als psychiatrische Einrichtung noch heute besteht. Den Ersten und Zweiten Weltkrieg überstand das Schloss ohne Schäden.

Über den Vorgängerbau des heutigen Schlosses ist nur wenig bekannt. Der als großzügiges Fachwerkhaus beschriebene vierflügelige Bau[6][5] wurde für die neue Residenz abgebrochen. Der Neubau wurde von 1770 bis 1776 im Auftrag von Herzog Friedrich Christian I. durch Johann Gottfried Rosenberg errichtet.[24] Es war das letzte und größte Bauwerk des Architekten, der unter anderem auch den Marstall, das Reithaus und das Prinzenhaus am Plöner Schloss sowie die Herrenhäuser Rundhof und Ludwigsburg entwarf.[24]

Schloss Augustenburg wurde als große, dreiflügelige Anlage errichtet. Den Haupttrakt bildet das nach Westen ausgerichtete, riegelartige Corps de Logis, das sich zum Hof mit fünfzehn und zum Garten mit neunzehn Fensterachsen öffnet. Beide Fassaden werden von einem nur flach hervorspringenden Mittelrisaliten mit Dreiecksgiebel und Trophäenreliefs mit den Initialen des Bauherren betont. Hofseitig wird das dreigeschossige Gebäude durch je einen nördlichen und einen südlichen fünfachsigen Flügelbau zur Hufeisenform erweitert. Die Seitentrakte sind durch zweigeschossige Anbauten um weitere sieben Achsen verlängert. Im nördlichen dieser Flügel befindet sich die Schlosskapelle. Sämtliche Fensterachsen sind durch breite Lisenen voneinander getrennt, die das dreigeschossige Hauptgebäude im Sinne der Kolossalordnung gliedern.

Das Schloss umgibt in typisch barocker Weise einen gepflasterten Ehrenhof. Dem Gebäude gegenüber stehen drei symmetrische Nebengebäude, die einen früheren Wirtschaftsplatz rahmen. Alle Bauten zusammen formen eine große rechteckige, annähernd geschlossene Hofanlage.

Im Gegensatz zum strengen Erscheinungsbild der Fassaden war die Innenausstattung des Schlosses noch dem Stil des Rokoko verpflichtet. Die Beletage mit der Fürstenwohnung befand sich im ersten Obergeschoss, das Untergeschoss war den offiziellen Räumen vorbehalten.[25] Die Ausgestaltung der Räume übernahm der Italiener Michelangelo Taddei,[26] der auch die Stuckaturen in den Herrenhäusern von Gelting und Lundsgaard schuf.[27] Der bedeutendste Raum des Schlosses ist der mit feinen Rocaillestuckaturen dekorierte Gartensaal, der im Erdgeschoss des Corps de Logis als zentral gelegener Salon diente. Der Gartensaal ist neben dem ebenfalls in Rokokoformen gehaltenen Arbeitszimmer des letzten Herzogs der einzige Raum des Schlosses, der weitgehend in alten Formen erhalten und gelegentlich für Besucher zugänglich ist.[21] Die Räume dienen heute weitgehend dem Klinikbetrieb. Möbel, Kunstwerke und sonstiges Originalinventar des Schlosses wurden bereits 1853 zu einem Großteil versteigert.[17] Bedingt durch die lange Fremdnutzung des Gebäudes ist von der ehemaligen Ausstattung nur wenig erhalten und die einstige Funktion der Räume kaum dokumentiert.

 


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